Aus einem Brief der Mutter des Autors.
Ich bin nicht in Saragossa geboren, der erträumten Stadt meiner Kindheit, der Stadt, die der große Ebro badet, der Stadt, in der mich meine Mutter durch das pure Verlangen, ich möge dort zur Welt kommen, gebar. Wie es scheint, so erzählte es meine Mutter, geschah es in Saragossa, daß sie mit mir schwanger wurde, und wie ich später erfuhr, war dies wahr. Geboren –das, was man geboren werden nennt, zum ersten Mal die Augen der Welt gegenüber zu öffnen und unwiderruflich am Leben zu bleiben– wurde ich jedoch auf einem alten Landstück, das nach einer Legende der Garten der Hesperiden war und das man heute als Larache kennt. Dort verbrachte ich sechs Jahre, von denen mir nur sehr wenig im Gedächtnis blieb, vor allem, weil ich die Erinnerungen daran begraben habe, ohne jemals wieder darauf zurückzugreifen.

Im Ödland von Saragossa zeugten mich meine Eltern. Durch die Neigung meiner Mutter, mir alles zu erzählen, in einer Mischung aus Lüge und Wahrheit, erfuhr ich schließlich mit der Zeit, was damals dort, zwischen den Laken, geschah: Nämlich, daß ich zu einem Teil die Frucht von Lust, zum anderen Teil die eines Angriffs bin. Ich erfuhr sogar in allen Einzelheiten, wie meine Mutter von jenem schönen Tier eingekreist wurde, das mein Vater immer war.
Fragmento del primer capítulo de Die Schlaflosigkeit der Adoleszenz.

El insomnio de la adolescencia
Víctor Mira. Die Schlaflosigkeit der Adoleszenz. Autobiografía, escrita en 1999. Abarca el período comprendido entre los años 1949 y 1969. Edition Álvarez. Munich, 2000